Gründungsdatum: 31.01.1878

Kauf der Eisengießerei und Maschinenfabrik der Gebrüder Germann in Wittenberg an der Elbe durch den aus Cöln stammenden Maschinenbauer Anton Wetzig. Mit der Fertigung von Gießereierzeugnissen und landwirtschaftlichen Maschinen legte er den Grundstein für die industrielle Produktion von Getreidemühlen und Ausrüstungen für die Spezialmüllerei in der Lutherstadt Wittenberg. Ursprünglich war die Herstellung von landwirtschaftlichen Maschinen ein Hauptgegenstand der Firma, wovon ein kleiner Bestand an Zeichnungen noch Zeugnis ablegt. Es wurden hauptsächlich eiserne Göpelwerke und verschiedene Bauarten von Dreschmaschinen angefertigt.

Ab 1880

Umfangreicher Bau von Müllereimaschinen wie Getreidereiniger, Walzenstühle, Sichtmaschinen und Wasserräder. Dazu gehörte vor allem der Bau von Paltrockmühlen, damals als "Rollbockmühle" bezeichnet, weil es sich häufig um den Umbau von Bockwindmühlen handelte. Dabei wurde der Bock entfernt, das Fachwerk des Mühlenkastens nach unten verlängert und auf einen aus Schienen gebogenen Rollenkranz gesetzt. Wegen der Verwendung von Eisenbahnschienen gab es damals auch die Bezeichnung "Eisenbahnmühle" Einige Zeichnungen dafür wurden noch vom Firmenchef A. Wetzig sowie dem Mitinhaber E. Aug. Pape persönlich ausgearbeitet. In dieselbe Zeit fällt auch die Konstruktion von eisernen Hammerbalken ( Hauptträger) mit beträchtlicher Größe für Bockwindmühlen. Für Holländerwindmühlen wurden komplette Flügelwellen und Wellköpfe in verschiedenen Konstruktionen gefertigt. Dazu die Baugruppen Zahnkränze und Windrosen zum Vordrehen der Mühlenkappen sowie Flügel.

Dieser Fertigungsumfang veränderte sich später in Richtung Müllereimaschinen und vollständige Mahlsysteme. Damit folgte die Firma dem allgemeinen Trend zum Bau von größeren Betrieben mit mehr industriellem Charakter.

1894

Bau erster kompletter Mühlenanlagen. In das darauf folgende Jahr fiel die Herausgabe eines Kataloges in A 5- Format? über Transmissionen anläßlich der starken Erweiterung dieses Teils der Produktion. Er ist nicht ausschließlich auf die in Getreidemühlen erforderlichen Dimensionen und Bauarten beschränkt, vielmehr gibt es Bauteile für Seilbahnen, schwere Antriebe für den Bergbau oder die chemische Industrie etc. Im Jahre 1895 beschäftigte die Firma 100 Arbeiter an 60 Arbeitsmaschinen. Besonderer Wert wurde auf die sorgfältige Bearbeitung aller Bauteile und geringere Gewichte gelegt, um den Kraftverbrauch und Verschleiß der übertragenden Bauelemente zu verringern. Das hohe Qualitätsniveau setzte sich in der Folgezeit durch, was an der rapiden Zunahme von entsprechenden Zeichnungen zu vermerken ist.

Die Walzenstühle der Fa. Wetzig haben im Unterschied zu den Fabrikaten der vieler deutschen Mühlebauanstalten horizontal liegende Walzen. Diese Bauform wurde konsequent durchgehalten bis zur Einführung der Maschinen mit diagonalliegenden Walzen, die den bestmöglichen Kompromiss zwischen Platzbedarf und hoher Funktionssicherheit des Walzenstuhles bis heute darstellen.

In den Jahren 1880- 1902

wurde ein ansehnlicher Stab von ca. 40 Zeichnern beschäftigt, die ungefähr alle zwei Tage eine Konstruktionszeichnung ( je nach Umfang!) anzufertigen hatten. In der Regel arbeitete ein Zeichner eine Gesamtanlage, so z.B. die 4- 6 Zeichnungen für eine Wasserradanlage, komplett in 8- 12 Tagen ab. Die hierzu erfolgten Auswertungen sind jedoch aufgrund der verschiedeneren Signaturen und des bisher geringen Datenbestandes im Verhältnis zum Gesamtbestand nur als vorläufig anzusehen.

    Gesicherte Personen sind:
  • H. Rauer, (1895- 1902)
  • Schoof (1891- 1904)
  • M. Lohse (1899- 1902)
  • A. Lorenz (1894- 1896)

Chronik

    1899
    Erster Neubau einer Mühle der "Mühlenbauanstalt Anton Wetzig" im Ausland - eine Graupenmühle in Polen. In der Folgezeit entstanden relativ viele Anlagen im polnischen sowie ehemals deutschen Raum in Pommern, Ostbrandenburg und Schlesien. Die Firma teilte sich dort den Markt mit ansässigen Mühlenbauanstalten wie Hipkow in Gassen
    1903
    Personal: Zum 25. Jahrestag ihrer Gründung beschäftigte die Firma Wetzig 250 Angestellte und Arbeiter.
    1910
    Weiterer Aufschwung des Unternehmens durch Einführung des Baus eigener Wasserturbinen. Unter anderem erwarb die Firma die Turbinenfirma Schlee in Halle/ Saale.
    1911
    Konstruktion des Vorläufers des heutigen MMW- 8-Walzenstuhls durch Anton Wetzig. In den Folgejahren stetiger Aufwärtstrend im Mühlenbaugeschäft, vor allem bei kompletten Roggen- und Weizenmühlen mittlerer Größe - bis ca. 100t Tagesleistung; außerdem Bau von Siloanlagen zur Erfassung von Getreide.
    1915/16
    Im I. Weltkrieg baute die Firma in bedeutendem Umfange spezielle Maschinen für die Sprengstoffherstellung der WASAG im Werk Piesteritz.500 Beschäftigte.
    1946
    Nach dem II. Weltkrieg wurde der Betrieb in Volkseigentum überführt, wobei versucht wurde, das Produktionsprogramm "Müllereimaschinen" beizubehalten. Als Volkseigener Betrieb wurde der "Mühlenbau Wittenberg" in die Kombinate "NAGEMA" und "FORTSCHRITT" eingegliedert; der eigene Firmenname blieb damit lange Zeit im Hintergrund.
    1956- 1970
    Erweiterung des Fertigungsprogramms auf Maschinen und komplette Anlagen der Schälmüllerei (Reis, Hafer, Gerste) sowie Ausdehnung der Auslandsgeschäfte der Firma MMW: In 56 Ländern der Welt und somit auf allen Kontinenten wurde der Wittenberger Mühlenbau mit Ausrüstungen und kompletten Mühlenanlagen präsent. Zum Markenzeichen wurde der Walzenstuhl "W 60".
    1990
    Umwandlung des "VEB Maschinen- und Mühlenbau Wittenberg" in die "Maschinen- und Mühlenbau Wittenberg GmbH" - MMW. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands befand sich das Unternehmen zunächst im Besitz der Treuhandanstalt.
    1991
    Privatisierung des Betriebes und damit Beginn einer neuen Ära des Müllereimaschinenbaus in Wittenberg.
    1994
    Abschluss eines Vertrages über die Lieferung von 5 Weizenmühlenkomplexen nach Syrien - jeder mit einem 50 000t-Silo, einer 500-t-Weizenmühle und allen Anlagen für einen autarken Betrieb! Die Gesamtleitung der Projekte lag bei MMW als Generallieferant.
    2006
    Heute produziert die "MMW Systems GmbH" mit Sitz im alten Verwaltungsgebäude von A. Wetzig moderne Müllereimaschinen und komplette Mühlenanlagen.