Druckansicht von: Das Wetzig Archiv

Fa. A. Wetzig, Wittenberg, Mühlenbauanstalt und Maschinenfabrik jetzt in Berlin- Marzahn

Vom Ursprung unseres Archivs

Seit Juni 2004 befindet sich ein vor der Vernichtung bewahrter Bestand von 100- jährigen Bauzeichnungen Berliner und Brandenburgischer Mühlen der Wittenberger Fa. A. Wetzig in Berlin- Marzahn.

Dieser Bestand ist ein Teil des Firmenarchives der 1878 gegründeten Mühlenbauanstalt. Die Bestände haben über ein Jahrhundert an ihrem Ursprungsort an Dresdener Straße überdauert, denn Wittenberg wurde im II. Weltkrieg nicht bombardiert. Dadurch blieb die große Firma, die sich im Kriege wie andere deutsche Maschinenbaubetriebe mit Rüstungsproduktion beschäftigte, unbeschädigt und damit auch das Archiv. Anders war es z.B. bei den MIAG- Stammbetrieben von Seck in Dresden und Amme, Giesecke und Konegen in Frankfurt/ Main, die schwerste Schäden erlitten und deren Archive größtenteils verbrannt sind.

Erst nach der Wende 1989 wurden die Bestände des Archivs beseitigt, um Räume zur Vermietung frei zu machen. Es handelte sich um das Volumen mehrerer Räume! Ein kleiner Teil wurde damals von einem aufmerksamen Wittenberger Mühlenfreund geborgen und inzwischen nach Marzahn überführt. Öffentliche Förderungen waren nicht auszumachen, so dass wir uns zur privaten Finanzierung des Projektes entschlossen haben.

Wir sind der Meinung, dass die Wittenberger Mühlenbauzeichnungen ein unverzichtbarer Teil unseres deutschen Kulturgutes sind und nicht blattweise an Private oder ins Ausland verschleudert werden sollten, und haben gehandelt, als diese Gefahr bestand. Eine wirtschaftliche Herangehensweise an das Projekt ist übrigens unverzichtbar, um auch künftig die teure und sehr zeitaufwendige Arbeit der Bestandserfassung und Digitalisierung leisten zu können. Leider ist es im Bereich der Mühlenerhaltung seit Jahrzehnten zu beobachten, dass zwar viele Menschen unsere Leistungen gerne in Anspruch nehmen, aber sich an den Kosten nicht beteiligen wollen. Der Staat kann diese Arbeit jedoch offenbar nicht leisten, zumal immer schon in Notzeiten die Maschinen zuerst, dann die Tiere und schließlich auch die Menschen gestrichen worden sind. Wir setzen daher auf weitgehende Selbsthilfe, wie es dies im Beruf des Müllers seit jeher verbreitet ist und bitten Sie, sehr verehrte Leser, um Ihre Hilfe als Verbündete.

Mehreren Mühlenfreunden aus unserer Region konnte im alten Dorf Marzahn schon wertvolle Informationen zu Rekonstruktionsarbeiten gegeben werden. Es war für sie ein faszinierendes Erlebnis, Kopien der Baupläne für die Mühlentechnik ihrer Vorväter in der Hand zu halten. Die Kopien der großen Blätter sind aber auch sehr dekorativ als Raumschmuck zu verwenden.

Im gegenwärtig bereits erschlossenen Bestand (Zeitrahmen von 1880 bis 1901) befinden sich die Originalpläne von Wasserrädern, Müllereimaschinen, Windmühlen und Sägegattern. Zur Bestandserfassung der im Aufbau befindlichen Sammlung wurde in Marzahn eine spezielle Datenbank entwickelt, um die wertvollen Daten für die bisher nicht mögliche Weiterbildung und Recherche vor Mühlenerhaltungsmaßnahmen durch modifizierte Blattausdrucke effektiv verfügbar zu machen.

Was haben wir nun im Einzelnen?

Es handelst sich um Baupläne im Maßstab 1 : 1, 1 : 5, 1 : 20 und 1 : 100. Zu Wasserrädern überwiegend unterschlächtig, Zuppinger) sind ganze Zeichnungssätze für das Rad selbst, seine Einzelteile (Schaufelbögen, Kleinteile in Originalgröße), Wellen, Angaben zu den Getrieben, Schützenzüge und Grundwerke bzw. Gerinne vorhanden. Diese Zeichnungen sind weitestgehend personalisiert, also mit Orts- und Besitzerangabe. Sie sind beim Bau definitiv verwendet worden, weisen entsprechende Abnutzungsspuren und vor allem handschriftliche Ergänzungen/ Änderungen auf. Stellvertretend genannt werden hier die Räder der Mühlen Alt- Friesack, Saarmund, Plessa.

Zu Windmühlen haben wir überwiegend Holländermühlen, Rollkränze, Wellköpfe und gußeiserne Wellen, Jalousiesteuerzeuge, Windrosen und deren Getriebe, Transmissionen sowie Paltrockrollkränze (historische Bezeichnung: Rollbockmühle) und Lagerplatten für Hausbäume auf Bockwindmühlen.. Genannt sei hier die Mühlen Niemegk und Haseloff. Ein kleiner Bestand von Sägemaschinen (Horizontalgatter und Vertikalgatter sowie Kreissägen und Bleistiftzeichnungen von kompletten Sägewerken (Herr Wernitz in Schwanebeck) ist vorhanden. Einige Müllereimaschinen, wie Sichtmaschinen, Elevatoren und Mahlgänge ohne Ortsangaben sowie Wasserturbinen stehen auch im Bestand, hier sind für die Zukunft die größten Zugänge zu erwarten.

Die Herstellung von Kopien der zum großen Teil sehr eindrucksvollen, farbigen Zeichnungen ist möglich, wurde bereits praktiziert und kostet je nach Größe um die 90. (Größe: A0).

Jürgen Wolf
Mühlenvereinigung Berlin- Brandenburg e.V.
Mühlenverein Berlin- Marzahn e.V.